Endokrine Reaktionen nach S-(+)-Ketamin

Der Anaesthesist - Tập 46 - Trang S30-S37 - 1997
H. A. Adams1
1Zentrum Anästhesiologie – Anästhesiologie I, Medizinische Hochschule Hannover, , XX

Tóm tắt

Der Effekt von Anästhetika auf das Nervensystem ist untrennbar mit Auswirkungen auf das Endokrinium verbunden, die von wesentlicher Bedeutung für die allgemeine Charakterisierung eines Anästhetikums oder einer Anästhesieform sind. Relevant sind insbesondere die Reaktionen der endokrinen Streßparameter Adrenalin, Noradrenalin, ADH, ACTH und Kortisol. Die Wirkung von Ketamin ist derzeit nicht durch einen einheitlichen Mechanismus zu erklären; vielmehr scheint der Gesamteffekt auf verschiedenen zentralen und peripheren Faktoren zu beruhen, die stereospezifisch beeinflußt werden. Die endokrinen Reaktionen auf Ketamin-Razemat und S-(+)-Ketamin sind dagegen weitgehend identisch. Das sympathoadrenerge System wird durch eine Monoanästhesie mit Ketamin deutlich stimuliert. Die Anstiege von Adrenalin und Noradrenalin werden durch Kombination mit Midazolam vermindert; in Kombination mit Propofol kann S-(+)-Ketamin die sympathoadrenerge Reaktionsfähigkeit ohne überschießende Effekte erhalten. Im Gegensatz zur Ketamin-Monoanästhesie kommt es bei Kombination von S-(+)-Ketamin mit Midazolam bzw. Propofol zu starken Anstiegen von ADH, die als Kompensation bei unterdrückter Reaktionsfähigkeit des Sympathikus interpretiert werden können. Darüber hinaus führt der chirurgische Streß zur vermehrten Freisetzung von ACTH und Kortisol, die in Verbindung mit Midazolam oder Propofol vergleichbar beeinflußt werden. Zusammenfassend ist die Monoanästhesie mit S-(+)-Ketamin als ausgeprägt sympathomimetische Anästhesieform zu bewerten, die Vorteile bei der Narkoseeinleitung von Patienten im Schock oder mit manifestem Asthma bronchiale bietet. Die Kombination S-(+)-Ketamin/Midazolam weist ebenfalls noch deutliche sympathomimetische und endokrin-stimulierende Eigenschaften auf, die zur Analgosedierung kardiovaskulär instabiler und insbesondere katecholaminpflichtiger Patienten genutzt werden können. Die Kombination S-(+)-Ketamin/Propofol ist wegen der gegenläufigen und weitgehend ausbalancierten Eigenschaften beider Substanzen als gering sympathomimetisch und endokrin-stimulierend zu beurteilen. Indikationen für diese Kombination sind Patienten mit endokrinen Defiziten; darüber hinaus ist die Kombination wegen der guten horizontalen Steuerbarkeit in der Analgosedierung mit „diagnostischem Fenster” nutzbar, wenn negative Kreislaufeffekte vermieden werden sollen.