S-(+)-Ketamin und Kreislauf

Der Anaesthesist - Tập 46 - Trang S43-S46 - 1997
S. Zielmann1, S. Kazmaier1, S. Schnüll1, A. Weyland1
1Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universität Göttingen, , XX

Tóm tắt

Das Razemat des Ketamin kommt derzeit sowohl bei der Durchführung von Narkosen, im Rahmen einer Langzeitanalgosedierung auf der Intensivstation wie auch in der Notfallmedizin zum Einsatz. Neuere Untersuchungen zeigten eine etwa doppelt so große analgetische Potenz des rechtsdrehenden Isomers im Vergleich zum Ketamin-Razemat. Des weiteren ist aus tierexperimentellen Studien eine vergleichbare dosisabhängige Toxizität beider Substanzen bekannt. Demzufolge bestand berechtigte Hoffnung, daß durch Halbierung der erforderlichen Substanzmenge bei Verwendung von S-(+)-Ketamin eine entsprechende Reduzierung der bekannten unerwünschten Wirkungen möglich ist. In randomisierten, doppelblinden Studien an gesunden Probanden zeigten sich vergleichbare Anstiege von Herzfrequenz und arteriellem Blutdruck nach 2 mg/kg KG Ketamin-Razemat bzw. 1 mg/kg KG S-(+)-Ketamin. Auch die Zunahme der Katecholaminkonzentrationen im Plasma war vergleichbar. Diese Effekte wurden durch eine Prämedikation mit Midazolam stark reduziert. Auch bei niedriger Dosierung von 0,5 mg/kg KG S-(+)-Ketamin bzw. 1 mg/kg KG Ketamin-Razemat intramuskulär kam es bei gesunden Probanden zu vergleichbaren Anstiegen von Herzfrequenz und arteriellem Blutdruck. Gleichermaßen zeigten Untersuchungen an älteren Patienten, die sich einem größeren orthopädischem Eingriff unterziehen mußten, gleiche sympathomimetische Kreislaufeffekte nach 1 mg/kg KG S-(+)- Ketamin oder 2 mg/kg KG Ketamin-Razemat. Die initialen Blutdruckanstiege führten bei drei Patienten der Razematgruppe zum Abbruch der Untersuchung. In beiden Gruppen kam es zu einem signifikanten und vergleichbaren Anstieg der Plasma-Katecholamine. Ähnliche Untersuchungen an älteren Patienten, die sich einem größeren orthopädischen Eingriff unterziehen mußten, zeigten im Vergleich einer TIVA mit Alfentanil bzw. S-(+)-Ketamin positive Effekte des Ketamin durch stabile intraoperative Kreislaufverhältnisse. Dagegen waren die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung zu den Kreislaufwirkungen von S-(+)-Ketamin bzw. Ketamin-Razemat bei Patienten, die sich einer aortokoronaren Bypass-Operation unterzogen, von den Folgen der sympathikotonen Stimulation geprägt. Auch nach starker Sedierung mit Midazolam traten bei jeweils drei von sieben Patienten beider Gruppen erhebliche Anstiege des arteriellen Blutdrucks und der Herzfrequenz auf. In einem Fall der S-(+)-Ketamin-Gruppe mußte die Untersuchung abgebrochen werden. Insgesamt sprechen alle vorliegenden Untersuchungsergebnisse dafür, daß die sympathikotonen Kreislaufeffekte des S-(+)-Ketamin auch bei halber Dosierung im Vergleich zum Ketamin-Razemat nicht signifikant reduziert werden.